.

Papst-Johannes-Paul-Stift in Corona-Zeit

Papst-Johannes-Paul-Stift in Corona-Zeit

Ralph Fürniß, Mitarbeiter im Papst-Johannes-Paul-Stift, gibt eine ganz persönliche Einschätzung der Situation dort:

Grundsätzlich ist die Situation sicherlich als sehr schwierig und auch belastend zu bewerten. Das gilt für alle Beteiligten, Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter. Niemand wünscht sich eine solche Form von Lebenslage.
Natürlich gibt es deutliche Unterschiede in der Ausprägung.
Bewohner die schon immer viele gute, nette und liebevolle Besuchskontakte hatten, verspüren in Teilen einen deutlich höheren Leidensdruck als jene, bei denen das nicht so ist. Aber auch hier stellen wir deutliche Unterschiede im Grad der Belastung fest. Es gibt in der Generation unserer Gäste ja noch viele, welche aus der Vergangenheit den Umgang mit schweren Lebensabschnitten kennen. Oft kommt sicherlich auch noch der Faktor der eigenen Erziehung dazu. Es gibt also Menschen, die aufgrund der genannten Faktoren doch bewundernswert tapfer und souverän mit den Entbehrungen umgehen. Natürlich gibt es auch genau das andere Bild, wo wir von Beginn an immer wieder einen mentalen Aufbau leisten müssen.
In Teilen gilt das auch für den Bereich der Angehörigenbetreuung. Ich selber habe bis heute zwei Angehörigengespräche gehabt, in denen die Verzweiflung eine so hohe Präsenz hatte, dass ich selber an meine Grenzen gestoßen bin. Trost zu spenden, aber in der Gewissheit seinem Gegenüber nicht die Erleichterung geben zu können welche nötig wäre, ist manchmal nicht ganz einfach. Da habe ich dann gerne das Bild des ausgedörrten Bodens vor Augen, auf dem der Regen schon fast nicht ankommt, weil er bereits in der Luft verdunstet. Grundsätzlich bin ich aber wirklich sehr beeindruckt davon, wie unsere Lieben sich in der Covid-19 Lage schlagen. Ich hätte mir die Auswirkungen noch wesentlich schlimmer vorgestellt.
Für das Personal kann ich nur meinen persönlichen Eindruck weitergeben, und das mit aller Umsicht. Die Belastung ist gerade für das Pflegepersonal sehr hoch. Auch alle anderen Fachrichtungen haben mit vielen neuen, manchmal durchaus schwierigen Dingen umzugehen. Im Kern bin ich aber wirklich begeistert von so viel Einsatz und Hilfsbereitschaft. Das Wort „Team“, oder das bekannte „in einem Boot sitzen“ bekommen eine ganz neue Bedeutung. Und es bringt die Menschen in Teilen auch näher zueinander. Der nette Hausmeister, welcher sicherlich auch zu normalen Zeiten schon geschätzt wurde, bekommt aber nochmal eine andere Bedeutung. Man kommt sich in der Enge der Situation einfach näher. Vor der Pandemie hat dieser mehrere Häuser betreut, jetzt ist er hauptsächlich dem PJPS zugeteilt. Wurden sonst die Arbeitsaufträge abgearbeitet, so ist über die deutlich höhere Verweilzeit ein andere Begegnung möglich in Bezug auf Mitarbeiter und auch zu Hausgästen.
Eine besondere Bedeutung nehmen sicherlich die vielen ehrenamtlichen Angebote von außen ein. Die Wertschätzung und Dankbarkeit ist in Worten nur im Ansatz zu beschreiben. Briefe, Ostergrüße, Geschenke, Blumen und die mehrfachen musikalischen Angebote sind von unschätzbarem Wert. Auch die Danksagungen an das Personal haben einen sehr hohen Stellenwert eingenommen.
So, nun habe ich doch viel geschrieben. Aber die Situation ist halt auch sehr facettenreich in ihren Auswirkungen.

Einen herzlichen Dank für diese ausführlichen Schilderungen und den großen haupt- und ehrenamtlichen Einsatz so vieler!!