Anlässlich des 800. Todestages des heiligen Franziskus von Assisi plant das Netzwerk „Münster franziskanisch“ ein besonderes musikalisches Ereignis: Am Samstag, 3. Oktober 2026, erklingt das Oratorium „Il Cantico – Francesco von Assisi und die Geschichte des Sonnengesangs“ von Peter Reulein in der Mutterhauskirche der Franziskanerinnen in Münster.
Das groß angelegte Werk für Chor, Soli und Orchester stammt aus der Feder des renommierten Frankfurter Komponisten zeitgenössischer Kirchenmusik Peter Reulein und wurde 2024 uraufgeführt. Im Zentrum steht nicht nur der berühmte Sonnengesang des Franz von Assisi, sondern vor allem der lange und oft schmerzhafte Weg, der zu diesem Lied der Schöpfung geführt hat.
Das Oratorium zeichnet Franziskus als einen Menschen mit Brüchen und Widersprüchen: Es beginnt mit seiner Reise in den Orient während des fünften Kreuzzugs im Jahr 1219. Dort erlebt Franziskus sowohl die bittere Enttäuschung über das Heer der Kreuzfahrer als auch eine bis heute wegweisende Begegnung mit dem muslimischen Sultan Muhammad al-Kamil – ein Zeichen des Dialogs der Religionen, des gegenseitigen Respekts und des gemeinsamen Gebets zum einen Gott. In den folgenden Jahren werden innere Krisen, körperliche Leiden, Konflikte innerhalb des wachsenden Ordens sowie Spannungen mit der Kirchenleitung thematisiert. Erst im Winter 1224/1225, während eines Aufenthalts in San Damiano, findet Franziskus durch Krankheit und Dunkelheit hindurch zum Licht – und schreibt den Sonnengesang.
„Il Cantico“ macht diese Geschichte zu einem Gesang. Neben den lichten, hoffnungsvollen Momenten finden auch Themen wie Depression, Kriegsangst, Kirchenfrust und Gottesferne ihren Platz. Damit schlägt das Werk eine Brücke in die Gegenwart und greift Fragen auf, die viele Menschen heute bewegen: die Kriege unserer Zeit, die Sehnsucht nach einer geistlichen Erneuerung der Kirche, den interreligiösen Dialog und die Sorge um die bedrohte Schöpfung. Besonders berührend ist dabei die Darstellung der Beziehung zwischen Franziskus und Klara von Assisi, die sich im Oratorium auf Augenhöhe begegnen.
Ausführende sind der Kammerchor canticum novum unter der Leitung von Grant Sung und das Kourion-Orchester Münster unter der Leitung von Klaus Storm. Die Gesamtleitung des Projekts liegt bei der Stadtdekanats-Kantorin Jutta Bitsch. Der Eintritt beträgt 20 Euro, ermäßigt 15 Euro; das Projekt finanziert sich über den Kartenverkauf sowie durch Spenden.
Im Anschluss an das Konzert sind die Besucherinnen und Besucher eingeladen, miteinander ins Gespräch zu kommen oder die Möglichkeit zu einem stillen Gebet in der Kapelle des neuen Gebäudes der Franziskanerinnen zu nutzen. Eine weitere Aufführung des Oratoriums findet am 4. Oktober 2026 in der St.-Marien-Kirche in Emsdetten statt.
Weblinks:
„Münster franziskanisch“
Peter Reulein
Bericht von der Uraufführung 2024 – Video der Uraufführung
Kammerchor canticum novum (Leiter: Grant Sung)
Kourion-Orchester Münster (Leitung: Klaus Storm)
Stadtdekanats-Kantorin Jutta Bitsch
Am Sonntag, dem 4. Oktober, werden wahrscheinlich an verschiedenen Stellen Festgottesdienste zu Ehren des Heiligen Franziskus stattfinden, z.B.:
– um 9 Uhr in der Mutterhauskirche der Mauritzer Franziskanerinnen
– um 11 Uhr in der St.-Norbert-Kirche in Münster-Coerde als Hauptkirche der St.-Franziskus-Pfarrei.
Nachmittags lädt das Hilfswerk Missio anlässlich seiner Afrika-Woche ein zu einem großen Dankeschön und Austausch-Treffen für Spenderinnen und Spender sowie für alle Interessierten – mit Schwester Dr. Claudine Aimée Rasolohery Chemikerin und Ordensschwester aus Madagaskar und Jan Frerichs, franziskanischer Theologe, Autor, Podcaster und Seelsorger.
Sr. Claudine wird an diesem Tag der Preis der MISSIO-Stiftung „Papst-Franziskus-Fonds für die Bewahrung der Schöpfung“ verliehen. Der Austausch soll daher unter folgendem Motto stehen:
Wem gehört die Heilkraft der Erde?
Ein Gespräch über Schöpfung, Wissenschaft und indigenes Wissen
Schwester Dr. Claudine Rasolohery ist Chemikerin und Ordensschwester aus Madagaskar. Aus dem Wissen traditioneller Heilkunst hat sie ein zugelassenes Medikament entwickelt — hergestellt vor Ort, nicht in europäischen Laboren. Ihr Wirken berührt eine Frage, die einfach klingt und es nicht ist: Ist die Erde und das, was sie hervorbringt, nur ein Etwas, das wir nutzen – oder ist es »Schwester Mutter Erde«, wie Franz von Assisi im Sonnengesang sagt? Und wem gehört dann die Heilkraft von »Mutter Erde«?
Am 4. Oktober 2026, dem Franziskusfest im 800. Jubiläumsjahr, geht Schwester Claudine dieser Frage nach – gemeinsam mit dem Autor und Gründer der franziskanischen Lebensschule »barfuß+wild«, Jan Frerichs. Er blickt aus der franziskanischen Tradition Europas, sie aus der Erfahrung Madagaskars. Zwei Perspektiven, ein Thema: Was Schöpfungsspiritualität bedeutet, wenn sie nicht bloß ein schönes Wort bleiben soll.
Kein Podium. Kein Vortrag mit Fragen am Ende. Sondern ein Council: ein offenes Gespräch — bei dem alle im Kreis Platz nehmen und miterzählen können, wenn sie mögen.











