Am 30. April hat unser Kirchenvorstand einem Kirchenasyl zugestimmt, das in unserem Pastoralen Raum (in Nienberge) stattfindet. Frau B., eine junge Kurdin aus Syrien, hat Zuflucht bei uns gesucht, weil ihr die Abschiebung nach Polen droht. Hintergrund dieser Abschiebung ist die Dublin-Verordnung der EU, nach der das Asylverfahren immer in dem Land durchgeführt werden soll, in dem eine Person erstmalig registriert worden ist. Im Fall der jungen Kurdin wäre eine Abschiebung nach Polen jedoch mit massiven inhumanen Härten verbunden:
Sie ist mit ihrer minderjährigen Schwester nach Polen eingereist und wurde dort gewaltsam festgenommen. Drei Tage musste sie unter unmenschlichen Bedingungen und rassistischer Diskriminierung (als Kurdin) im Gefängnis bleiben. Dann wurden die beiden jungen Frauen in ein geschlossenes Lager verlegt, wo die Bedingungen ebenso sehr schlecht waren. Sie mussten beobachten, wie Kinder keine Milch oder angemessene Kindernahrung bekommen haben und medizinische Hilfe verwehrt wurde. Schließlich wurden sie entlassen und sind nach Deutschland weitergereist, weil hier ihre Mutter lebt.
Die minderjährige Schwester ist nun in Deutschland im Asylverfahren. Frau B. hingegen soll abgeschoben werden und sie hat große Angst davor, nach Polen zurück zu müssen und damit von ihrer Mutter und Schwester getrennt zu werden. Zudem ist in Polen das Asylrecht derzeit ausgesetzt. Ausführliche Infos zur Situation von Geflüchteten gibt es hier.
Ihre kranke Mutter, die in Deutschland lebt, ist auf ihre Unterstützung angewiesen, eine Trennung der Familie würde sie dauerhaft destabilisieren.
Aus diesen Gründen hat der Kirchenvorstand von St. Franziskus sich dafür entschieden, Frau B. ins Kirchenasyl aufzunehmen. Sie wird nun bis zum 1. Juli in unserem Pastoralen Raum Schutz finden. Danach wird ihr Asylverfahren regulär in Deutschland durchgeführt.
Aus Sicht des Kirchenvorstands und des „Kirchenasyl-Beauftragten“ Andreas Rehm ist die Praxis des Kirchenasyls ein wichtiges Zeichen der Menschlichkeit, gelebter Solidarität und ein konkreter Schritt der Nachfolge Jesu heute. Inspiration gibt uns hierbei Papst Leo, der im Oktober 2025 in aller Deutlichkeit sagte: „Bei den Übergriffen auf schutzbedürftige Migranten handelt es sich nicht um die legitime Ausübung nationaler Souveränität, sondern um schwere Verbrechen, die vom Staat begangen oder geduldet werden. Es werden immer unmenschlichere Maßnahmen ergriffen – die sogar politisch gefeiert werden –, um diese „Unerwünschten“ wie Abfall und nicht wie Menschen zu behandeln. Das Christentum hingegen bezieht sich auf den Gott der Liebe, der uns alle zu Brüdern und Schwestern macht und uns auffordert, als solche zu leben.“











