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Gruß zu Pfingsten

Gruß zu Pfingsten

Wie oft habe ich in der Apostelgeschichte über die Aufzählung der Völker hinweggelesen. Die Meder, Parther, Elamiter und all die anderen Völker schienen mir im Zusammenhang mit der Ausgießung des Heiligen Geistes nicht wichtig. Der Geist kam in feurigen Zungen über die Jünger. Die zogen dann in alle Welt hinaus und verkündeten die frohe Botschaft. Die Botschaft von der Erlösung der Welt durch den Tod und die Auferstehung Jesu. Das schien mir das Entscheidende am Text der Apostelgeschichte. Die Namen sind zwar für Lektorinnen und Lektoren schwierig auszusprechen – und ein wenig Schadenfreude empfinden wir schon, wenn sie sich verhaspeln – aber sie interessieren uns nicht. Sie sind eben nicht das Entscheidende.

Doch ist Pfingsten nicht der Geburtstag der Kirche? Und besteht die Kirche nicht aus vielen Völkern bis an die Grenzen der Erde? Auf einmal machten für mich die Bewohner von Phrygien und Pamphylien, die Menschen aus dem Zweistromland und die Ägypter Sinn. Menschen aus der damals bekannten Welt standen stellvertretend für alle Völker der Erde. Gottes Geist kam über sie.

In der Vorstellung der Antike war jedem Volk ein Zeichen aus dem Tierkreis zugedacht. Die Völker, die Lukas in der Apostelgeschichte aufzählt, entsprechen diesen Tierkreiszeichen: Die Kirche sollte von Anfang an „katholisch“ sein im ursprünglichen Sinn: allgemein, weltumfassend. Sie sollte bis an die Grenzen der Welt reichen, niemanden ausgrenzen.

Unser Jahrzehnt ist von einem Wort geprägt: Globalisierung. Die Staaten und Völker der Erde sollen in Gerechtigkeit und Frieden zu einer Weltgemeinschaft zusammenwachsen. Erkennt die Kirche, erkenne ich als Teil dieser Kirche, ihre große Aufgabe, die befreiende Botschaft des Evangeliums zu verkünden?

Der Geist kam in feurigen Zungen auf die Jünger herab, und sie zogen hinaus in alle Welt und verkündeten die frohe Botschaft. Ich wünsche unserer Kirche – trotz aller Veränderungen und Strukturdebatten – diesen Mut des Anfangs und uns allen die Begeisterung für die Sache Jesu. Denn sie hat die Welt verändert.

Frohe Pfingsten – im Namen aller hauptamtlichen Mitarbeiter*innen – besonders denen unter Ihnen, denen es in diesen Tagen nicht gut geht, wünscht

Ihr Ulrich Messing, Pfarrer.