„Sicher sein – stärker werden“: Kinder und Jugendliche in St. Franziskus

„Sicher sein – stärker werden“: Kinder und Jugendliche in St. Franziskus

Seit 2010 sind in der katholischen Kirche Deutschlands, aber auch anderswo erschreckend viele Fälle von sexualisierter Gewalt von Amtsinhabern an Kindern und Jugendlichen bekannt geworden. Untersuchungen haben ergeben, dass diesen nicht nur persönliches Fehlverhalten zu Grunde liegt, sondern auch strukturelle Mängel, insbesondere Sakralisierung und Verschleierung von Macht sowie Unklarheit und Tabuisierung von Sexualität.

Ein institutionelles Schutzkonzept soll dafür sorgen, dass alle Haupt- und Ehrenamtlichen unserer Pfarrei, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, verantwortungsvoll und achtsam mit diesen besonders schutzbedürftigen Personen umgehen. Dies wird gewährleistet durch Einfordern von Führungszeugnissen und Schulungen, Vereinbarung von Verhaltensrichtlinien und Sanktionen bei Verstößen dagegen, sowie durch Stärkung von Kindern und Jugendlichen bei der Durchsetzung ihrer Rechte.

Mit unserem Schutzkonzept möchten wir bewirken, dass Kinder und Jugendliche, die an unseren Angeboten teilnehmen, sicher sind vor sexualisierter Gewalt und als mögliche Opfer sexualisierter Gewalt qualifizierte Hilfe bekommen. Es soll daher alle Verantwortlichen in der Kinder- und Jugendarbeit der Pfarrei für das Problemfeld sensibilisieren, zur Selbstreflexion anregen und in transparente Kommunikations- und Entscheidungsprozesse einbinden. Es findet sich hier: ISK für St. Franziskus.

Weitere Materialien zum Schutzkonzept:
… für Interessierte: Handreichung zur Prävention – Überblick Sexualstrafrecht
… für Verantwortliche:  Reflexionspunkte zum VerhaltenskodexRisikofaktoren – Formulare
… Schutzkonzept in „Leichter Sprache“: ISK – kinderleicht
… Notfallmanagement für Freizeiten: Regionalbüro Münster

Antworten auf häufig gestellte Fragen:

Wie arbeitet das Bistum Münster aktuell in Missbrauchsfällen mit der Staatsanwaltschaft zusammen?

Zur Zeit ist die Praxis des Bistums alle gemeldeten Fälle, die Minderjährige und Schutzbefohlene betreffen, an die Staatsanwalt weiterzuleiten. Auch dann, wenn es die Einschätzung gibt, dass es sich nicht um strafrechtlich relevante Taten handelt. Dies soll dann auch von staatsanwaltlicher Seite bestätigt werden. Verantwortlich für die Meldung von Fällen sind die Ansprechpartner*innen der Pfarreien.

Was kann ich als normales Pfarrei-Mitglied machen?

Mich mit Täter-Strategien und Opfer-Signalen vertraut machen, aufmerksam sein, alle Beobachtungen gut dokumentieren, im Verdachtsfall Hilfe holen, Ruhe bewahren.

Bitte nicht auf eigene Faust handeln. Ein falscher Umgang mit Opfern kann diese schädigen und die Beweiskraft ihrer Aussage in einem eventuellen Prozess schwächen. Eine direkte Ansprache von Tätern kann sie vorwarnen und ihnen helfen, ihre Strategie noch weiter zu „verbessern“.

Gibt es Auffälligkeiten bezüglich Tätern und Opfern im Bereich der katholischen Kirche?

Auffällig ist, dass im Bereich der Kirche viel mehr Jungen als Mädchen Opfer werden als im Gesamt der Gesellschaft. Ob Geistliche häufiger zum Täter werden als Nichtgeistliche ist schwer zu ermitteln, es gibt aber Hinweise, die in diese Richtung deuten.

Ansprechpartner beim Bistum Münster: hier.

Prävention im Bistum Münster: hier.

Infos zur aktuellen Studie über Missbrauch in der katholischen Kirche („MHG-Studie“): hier.

Die Studie war im September 2018 vorgestellt worden. Ihr zufolge enthielten die Akten der 27 deutschen Bistümer bei 1670 Klerikern Hinweise auf Beschuldigungen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger – umgerechnet waren dies 4,4 Prozent aller Kleriker. Diese Personen missbrauchten 3677 Kinder, zwei Drittel von ihnen waren Jungen. Gut die Hälfte war beim ersten Missbrauch höchstens dreizehn Jahre alt. Zudem ermittelte die Studie, dass der Anteil von Klerikern mit homosexueller Orientierung signifikant hoch sei. Ein weiteres Ergebnis: Des Missbrauchs wurden erheblich mehr Diözesanpriester als Diakone beschuldigt.  Diakone unterliegen nicht der Verpflichtung zum Zölibat. Die Forscher vermuten zudem, dass die tatsächliche Zahl von Tätern und Betroffenen viel größer war, weil viele Fälle nie aktenkundig wurden.

Abschließend heißt es in der Studie, sexueller Missbrauch sei vor allem auch Missbrauch von Macht. Die Forscher verwiesen auf den „Klerikalismus“ als ein „hierarchisch-autoritäres System, das auf Seiten des Priesters zu einer Haltung führen kann, nicht geweihte Personen in Interaktionen zu dominieren, weil er qua Amt und Weihe eine übergeordnete Position innehat“. Sexueller Missbrauch sei ein extremer Auswuchs dieser Dominanz. Bei Kirchenverantwortlichen führe ein solches Amtsverständnis dazu, dass sie sexuellen Missbrauch als Bedrohung des klerikalen Systems sähen, Taten vertuschten und Täter deckten. In mehr als der Hälfte der untersuchten Fälle war kein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet worden. (Quelle: Deutsche Welle.)